Ernährungs- und Pflanzenheilkunde

Die Ernährung nimmt im Leben eine entscheidende Bedeutung ein: einerseits sorgt sie dafür, dass der Einzelne bei Kräften bleibt, andererseits kann sie aber auch wesentliche Ursache von schwerwiegenden Erkrankungen sein.

Es ist heute bekannt, dass die sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Fettsucht, Gicht, Rheuma, Allergien usw. maßgeblich durch jahrelange Ernährungsfehler verursacht sind. Harmlosere Beschwerden wie beispielsweise Völlegefühl, häufige Blähungen oder Verstopfung werden zwar mit der Ernährung in einen gewissen Zusammenhang gebracht, aber doch oft jahrelang einfach hingenommen. In der Regel ist man sich zu wenig bewusst, dass sich daraus Jahre später auch schwerere Erkrankungen entwickeln können. Selbst Erscheinungen wie Gefühle von Unruhe, Konzentrationsstörungen oder häufige Müdigkeit können mit einer einseitigen insbesondere nicht vollwertigen Ernährung in Zusammenhang stehen.

Eine Umstellung in der Ernährungsweise kann eine große Unterstützung zur Linderung oder gar Heilung vieler Erkrankungen geben. Ganz besonders kann eine gesunde Ernährung aber auch der Vorbeugung von Krankheiten dienen.

Wie sieht eine Ernährungsweise aus, die den Menschen einerseits kräftigt und stärkt, ihn aber andererseits nicht belastet?

Zunächst enthält eine gesunde Ernährung alle lebensnotwendigen Inhaltsstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Mineralien, Vitamine und Spurenelemente in ausreichendem Maß.

Doch auch die Zubereitung der Nahrung ist von wesentlicher Bedeutung. Ein verkochtes Essen enthält beispielsweise kaum mehr Vitamine. Eine Mahlzeit mit teilweise garen und teilweise noch halb rohen Zutaten hingegen enthält zwar Vitamine, kann aber andererseits eine feine Giftwirkung im Organismus verursachen. Die Fähigkeit, die Kochprozesse richtig aufeinander abzustimmen, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Ernährung.

Weiterhin ist es für den heutigen Menschen entscheidend, nicht nur blind Regeln zu befolgen, sondern darüber hinaus eine eigenständige Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten der Ernährung zu entwickeln und aus dieser heraus die Ernährungsweise neu zu gestalten. Das Bewusstsein kann sich damit weiten und es entsteht ein tieferer, mehr innerer Bezug zum Essen. Mit einem bewussten Gestalten der Ernährungsweise schafft der Mensch neue Lebenskräfte, die ihm, aber auch anderen, heilsam zur Verfügung stehen.

Wie bereits oben erwähnt, sollte die Nahrung als Grundlage alle notwendigen Inhaltsstoffe enthalten. Es ist jedoch auch von Bedeutung, ob wir die Wurzeln, die Blätter oder die Frucht einer Pflanze verzehren. Gemäß der anthroposophischen Sichtweise wirkt Wurzelgemüse vor allem auf das Nerven-Sinnessystem, Blattgemüse auf Herz und Lunge und Blüten und Früchte auf den Stoffwechsel. Das Getreide nimmt hier eine ganz wichtige Stellung ein, denn es wirkt auf alle drei Bereiche, also auf den ganzen Menschen.

Wirkungen der Pflanze
auf den Menschen

 
  Frucht         —-        Nerven-
und Blüten          Sinnessystem
 
 
   Blätter        —-      Herz und
und Stängel              Lunge
 
 
  Wurzeln      —-   Stoffwechsel

 

Auch ist es wesentlich, wie eine Pflanze mit dem Licht umgeht. Ein Nachtschattengewächs wie die Kartoffel nimmt beispielsweise kaum Licht auf, wohingegen das Getreide sehr reich an Licht ist, was sich an seinem hohen Kieselsäuregehalt zeigt. Daraus lässt sich ableiten, dass das Kohlehydrat der Kartoffel eine andere Qualität hat als das Kohlehydrat des Getreides. Die Ernährung mit Vollwertgetreide nimmt deshalb eine sehr wichtige Bedeutung ein. Leider haben viele Menschen eine Scheu vor der Zubereitung des Getreides, dabei ist es recht einfach und unkompliziert zu handhaben und Heilungserfolge stellen sich bereits nach kürzester Zeit ein.

Die Auseinandersetzung mit dem Charakter und der Wirkung einzelner Lebensmittel führt zu einer tieferen Beziehung zur Nahrung und zu einer Erweiterung im Bewusstsein des Menschen und lässt damit heilsame Lebenskräfte entstehen.

Ein gesundes Verdauungssystem bildet eine wichtige Basis der Ernährung

Eine Beachtung sollte auch der Zustand des Verdauungssystems erhalten. Das Verdauungssystem des heutigen Menschen ist oft geschwächt aufgrund von jahrelangen einseitigen oder überlastenden Ernährungsgewohnheiten, aber auch durch Stress und Belastungen von außen. Häufig liegt eine Darmdysbiose vor, das heißt ein Ungleichgewicht der Besiedelung des Darms mit Bakterien oder eine Fehlbesiedelung. Zum einen können diese Bakterien giftige Stoffwechselprodukte ausscheiden und zum anderen werden durch die Schwächung im Verdauungssystem die zugeführten Nahrungsmittel nicht mehr ausreichend verdaut, wodurch ebenfalls feine Giftwirkungen entstehen können.

Neben einer gesunden Ernährung, die alle wichtigen Nährstoffe enthält, ist deshalb auch auf ein gesundes Verdauungssystem zu achten. Es gibt in der Naturheilkunde verschiedene Möglichkeiten der Darm-Sanierung, zum Beispiel die Mayr-Kur, und der Entgiftung. Auch die Art der Nahrungszubereitung kann einem geschwächten Verdauungssystem unterstützend
entgegen kommen. Je nach Krankheitssituation ist es hilfreich oder erforderlich, bei der Ernährung bestimmte Schwerpunkte zu setzen.

Aufschließen der Lebenskräfte
für eine leichtere Verdauung

Getreide, Gemüse und Obst enthalten viele aufbauende Lebenskräfte. Im ganzen Apfel beispielsweise liegen diese noch sehr kompakt und in sich abgeschlossen vor und sind daher vom Verdauungssystem nicht leicht aufzunehmen.

Wird der Apfel jedoch in feine Scheiben aufgeschnitten und mit etwas Zimt bestreut, werden die enthaltenen Lebenskräfte nach außen aufgeschlossen und der Apfel wird damit leichter verdaulich.

 

 

 

 

 

 

 

 

Heilpflanzen dienen einer spezifischen gesundheitlichen Unterstützung

Die Heilpflanzen nehmen gegenüber den Nahrungspflanzen eine besondere Stellung ein. Sie werden nach Beschreibungen von Rudolf Steiner (Begründer der Anthroposophie) dadurch zu Heilpflanzen, dass sie bestimmte Bereiche übertrieben oder atypisch ausbilden.

Valeriana officinalis, der Baldrian, beispielsweise geht mit der Bildung von ätherischen Ölen anders um als andere Pflanzen, denn er bildet diese nicht – wie gewöhnlich – im Blütenbereich oder Blatt- und Stengelbereich aus, sondern in der Wurzel. Die intensiv und würzig riechende Baldrianwurzel wirkt demtentsprechend vor allem auf das Nerven-Sinnessystem und wird bei Überreiztheit und Überforderung des Nerven-Sinnessystems und damit verbundener Schlaflosigkeit eingesetzt.

Bei einem beginnenden grippalen Infekt bestehen häufig Frösteln und Kältegefühle. Hier fehlt es an Wärmebildung im Stoffwechsel. Nun können Heilpflanzen zum Einsatz kommen, die ganz besonders die Blütenbildung betonen. Beispielsweise Sambucus nigra, der schwarze Holunder, mit seinen tausenden von winzigen Blüten regt als Tee genossen intensiv die Wärmebildung an und wirkt regelrecht schweißtreibend.

Heilpflanzen können in Form von Tees, Tinkturen, Bachblüten, homöopathischen oder anthroposophischen Mitteln eine jeweils spezifische Heilwirkung freisetzen.